Anfang Dezember 1988 erhielt ich einen Anruf: „Hier ist Herr J.. Die Antiquitätenhändlerin hat mir Ihre Fotos gezeigt, und die sind sehr schön. Wenn Sie auch meine Weihnachtsbäume fotografieren wollen, können wir jetzt einen Termin abmachen.“ Das war der Beginn einer sehr erfreulichen Zusammenarbeit. Herr J. schmückte seine wirklich aussergewöhnlichen Weihnachtsbäume und ich fotografierte sie – mit Unterbrüchen – in den Jahren 1988 bis 2003.
Ich habe die Weihnachtsbäume des Herrn J. eingeteilt in:
Herr J. ist Sammler von antikem Christbaumschmuck. Im Jahre 1988 fotografierte ich bei ihm erstmals zwei Bäume, einen ersten mit Prunkstücken seiner Sammlung aus der Zeit von 1870 bis 1930, einen andern mit sogenanntem „Gablonzer Schmuck“. Letzterer entstand in den Jahren von 1900 bis 1930, wurde in Heimarbeit gefertigt und besteht aus lauter bunten Perlen und Röhrchen der Glasmanufakturen im Böhmerwald.
Beide Bäume waren damals noch „natürlichen Ursprungs“, nämlich zimmerhohe Nordmanntannen, deren Äste zum Stamm hin hochgebunden wurden, damit sie sich unter der Last ihrer üppigen Dekoration nicht zu stark nach unten bogen.
Im Laufe der Jahre wurden bei Herrn J. aus seinen zwei Weihnachtsbäumen pro Festanlass erst deren drei, dann bald sogar vier. Den dritten nannte er seinen „Russischen Baum“. Der war über und über behängt mit liebevoll zusammengetragenen Sammlerstücken aus dem Russland der Zeit von 1900 bis 1940. Der vierte Baum trug zahlreiche antike Kostbarkeiten aus den Jahren von 1870 bis 1930.
Dem Zuge der Zeit folgend, vor allem aber wohl auch aus praktischen Erwägungen heraus, waren im Jahre 2001 alle vier Bäume von Herrn J. aus Kunststoff gefertigt. Den grössten unter ihnen zieren 1550 Schmuckstücke, welche im Glanz von 1305 kleinen elektrischen Lichtern erstrahlen. Diese „modernen Bäume“ bleiben über lange Wochen ansehnlich, ohne eine einzige Nadel zu verlieren.