Die Genossenschaft „Ponsyrus“ in Zürich war in den 80-er Jahren gegründet worden, um ein Haus im Kreis 4, Nähe Helvetiaplatz, dem Spekulationsmarkt zu entziehen. Man wollte jungen Menschen, die über geringe finanziell Mittel verfügen, eine Möglichkeit geben, eine preiswerte Wohnung zu mieten. Das fünfstöckige Haus wurde sanft renoviert, und es entstanden vier kleine, einfache aber mit allem Notwendigen versehene Wohnungen von je 55 m2. Für alle Bewohner gemeinsam wurden im Parterre ein grosser Gemeinschaftsraum mit Kochgelegenheit und auf dem Dach eine kleine Dachterrasse eingerichtet. Jede Wohnung enthielt im Wohnzimmer einen kleinen Kachelofen als Zusatzheizung. Alles war sehr einfach aber sauber.
Unser Sohn hatte gerade sein Studium der Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich abgeschlossen, als er Vater einer kleinen Tochter wurde. Seine Partnerin befand sich noch mitten im Studium der Soziologie. Nach langer Suche nach einer preisgünstigen Wohnung fanden sie diese im Genossenschaftshaus Ponsyrus. Vater und Mutter wechselten sich im folgenden Jahr in der Betreuung der Kleinen und der eigenen Weiterbildung ab. Bald erwarteten sie ihr zweites Baby. Die Überraschung war gross: Es kamen Zwillinge. Die Mutter hatte gerade ihre schriftliche Abschlussprüfung beendet und die mündliche noch vor sich, als sie die beiden Jungen gebar.
Vom Tag der Geburt an übernahm die Mutter die Pflege ihrer drei Kinder. Nach einem 3/4 Jahr kam der Vater an die Reihe. Dann nämlich bereitete sich die Mutter auf die mündliche Abschlussprüfung vor und bestand diese mit Bravour.
1995, als ich den Weihnachtsbaum „Ponsyrus“ fotografierte, war unsere Enkelin dreijährig, die Zwillinge ein Jahr alt. Da die Wohnungen sehr klein waren, hatten die Bewohner des Hauses beschlossen, einen Weihnachtsbaum in den Gemeinschaftsraum im Parterre zu stellen, diesen gemeinsam zu schmücken und auch zusammen Weihnachten zu feiern. Der Götti unserer Enkelin brachte einen urwüchsigen Weihnachtsbaum aus seinem eigenen Wald. Die Hausbewohner trafen sich zum Schmücken des Baumes; jeder steuerte den wenigen Weihnachtsschmuck bei, den er besass; ein paar Kugeln, ein paar Figürchen, ein Paket mit roten Kerzen die einen, eins mit weissen Kerzen die anderen. Alles wurde an den Baum gehängt, die Kerzen angezündet und man feierte ein fröhliches Weihnachtsfest.
