Der Bodenständige

 

Im Dezember 1990 stellte ich meine Christbaum-Fotos in der Bossartschüür in Windisch aus. Ich wurde oft dazu angesprochen, so auch im Blumenladen unseres Dorfes. Die Floristin erzählte mir, die Familie ihrer Freundin habe einen unglaublich schönen, wohl einzigartigen Baum. Der sei in traditioneller Art behängt und stehe in einer heimeligen Bauernstube mit Kachelofen. Und dann fragte sie mich, ob ich wohl Interesse hätte, diesen Baum in meine Sammlung aufzunehmen.

Einige Tage danach gab sie mir Anschrift und Telefonnummer der Familie an, der dieses Juwel von Weihnachtsbaum gehörte. Man sei bereit, mit mir einen Termin abzusprechen. Diesmal erfuhr ich auch, wer denn die Besitzer jenes Baumes seien. Es handle sich um einen Mundart- und Bauerndichter und seine Familie.

Die Familie bewohnte ein grosses Haus, eine ehemalige Mühle. Mein Mann und ich wurden herzliche willkommen geheissen und in die Stube geführt. Da stand nun dieser unvergessliche Weihnachtsbaum, genau an diesem Ort und zur Familie  passend: das Bild war vollkommen bis in alle Einzelheiten.

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Wir erlebten zwei aussergewöhnlich anregende Stunden mit unseren Gastgebern, dem eigenwilligen, sehr vielseitig interessierten Hausherrn, einem echten Urgestein und seiner liebenswürdigen Gattin. Die Kerzen des Weihnachtsbaumes wurden angezündet. Es gelang mir sogar das Stativ aufzustellen, aber nur, wenn ich die Stubentüre öffnete für die rechte Distanz.

13 Jahre später erschien in der Aargauer Zeitung ein Artikel über den Dichter und sein neuestes Buch. Und da beschloss ich, diese Hintergrundgeschichte zu seinem Weihnachtsbaum aufzuschreiben.